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Presseberichte2019-04-08T20:20:50+00:00

Konzert der MikroPhilharmonie Einklang

Im Mini-Floß auf dem Pazifik

Günter Moseler, WN Münster 8.4.2019

Vielleicht wäre musikalischer Klang als eine Wasseroberfläche vorstellbar, unter der eine unendliche Vielfalt an Details und Perspektiven verborgen ist – quasi die Partitur des Meeres. Wer es mit einem Ozeanriesen überquert, wird Kraft und Launen der Natur kaum zu spüren bekommen. Wer es im kleinen Format versucht, wird seinem Geheimnissen eher auf den Grund gehen (müssen). So ähnlich schien es im Westfalen Forum, wo sich Joachim Harder mit den Musikern seiner „MikroPhilharmonie Einklang“ drei Zentralwerken der Wiener Klassik stellte – es war, als riskierten siebzehn Helden auf einem Mini-Floß eine Abenteuerreise auf dem Pazifik.

Die meisten Instrumente waren einfach, nur Violine, Klarinette, Fagott und Horn doppelt besetzt. Wolfgang Amadeus Mozarts  Ouvertüre zur Oper „Die Zauberflöte“ klang vom ersten Akkord an, als hätte man sie noch nie gehört. Kein großsymphonischer Pomp, sondern Transparenz in allen Lagen, ein federndes Tempo bei präziser Austarierung des Gesamtklangs. Mozarts…

… unerhört populäres Klavierkonzert A-Dur KV 488 interpretierte Shootingstar Fabian Müller  nuancenreich, zügig und zart zugleich, betonte das Inwendige dieser Musik ebenso wie speziell im abschließenden Rondo sportiven Elan. Die Kadenzen besaßen Glanz und Eleganz, das abgründige mittlere „Adagio“ alle Melancholie der Welt.

Im Orchester Details, als sei man auf den Meeresgrund getaucht: Die Zwiesprache zwischen Klarinette und Fagott schien Geheimnisse eines Jahrhundertlebens zu erinnern, tolle Sprints der Bläser im Finale hoben Virtuosität und Dramaturgie mozartscher Orchestrierung hervor. Das Klavier verteidigte seinen Platz als primus inter pares, ohne den Klangraum voll neuer Zeichen zu ignorieren, die das Orchester ihm zuspielte: Mikrophonien im Mikrokosmos.

Nach der Pause Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 2 D-Dur, die ihr Revolutionäres gegen gespannte Intensität und doppelbödige Rasanz eintauschte. Mit dem heroischen Orest Kudlovskyi als Konzertmeister erlebte man keine große Streichergruppe, die orchestrale Herrschaft an sich reißt, keine Bläserstimmen, die obligatorisch mitflattern, kein Rhythmus auf schiefer Bahn. Stattdessen erschienen ins­trumentale Details, die kaum je ans Licht der Öffentlichkeit dringen, auf der Bildfläche, etwa die Akzente der Trompete. Beschwingt Spiel und Zuspiel der Motive, Paukengrollen und Horntupfer, die Warnsignale der Flöte im Finale. Wer die Augen schloss, hörte die Musik – und vermisste nichts.

Stapellauf der MikroPhilharmonie EinKlang

Überaus seltenes Hörerlebnis

Axel Engels, WN Lengerich 1.4.2019

Einen innovativen Interpretationsansatz großer orchestraler Musik erlebten fast 100 Musikliebhaber beim Konzert der „MikroPhilharmonie EinKlang“ am Sonntag in der Gempt-Halle. Das Ensemble hatte sich zum Ziel gesetzt, große Werke in einer „ganz kleinen“ Besetzung zu spielen, mit den dadurch sich ergebenden Feinheiten diese Werke gleichsam neu zu entdecken.

Auch wenn man am Anfang etwas skeptisch war, so überzeugte dieses Konzept der kammermusikalischen Interpretation schon nach den ersten Takten der Ouvertüre zur Oper „Die Zauberflöte KV 620“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Dies allseits bekannte Werk wird oftmals mit großem und leicht pathetischem Orchesterklang auf die Bühne gebracht, wobei die wunderbaren Melodien oftmals im symphonischen Klang untergehen. … Bis ins kleinste Detail begeisterte das überaus kultivierte Spiel der MikroPhilharmonie EinKlang, spürte man die Leidenschaft und Hingabe der Musiker bei dieser so wunderbaren Musik.

Als zweites Werk erlebte man mit dem „Klavierkonzert A-Dur KV 488“ ein weiteres Werk aus der Feder Mozarts, das der Komponist für die eigene Aufführung im Konzert geschrieben hatte. Für den solistischen Part war der international renommierte Pianist Fabian Müller gewonnen worden…

… der mit seiner exquisiten Spielweise in der Garde der „jungen Pianisten“ einen herausragenden Platz einnimmt. Auch für ihn …wird das Musizieren mit der „MikroPhilharmonie EinKlang“ ein besonderes Erlebnis gewesen sein. Denn in dieser Besetzung wirkte der Klavierpart noch brillanter.

Grazie und Anmut zeigten sich im ersten Satz und die Melodien des lyrischen langsamen Mittelsatzes konnten ihre Schönheit noch glanzvoller entfalten. Mit Esprit und Leidenschaft erklang der finale Satz, bei dem Fabian Müller seine Virtuosität ganz in den Dienste der Musik stellte und so ein besonders lebendiges und trotzdem intimes Bild zauberte. Von lyrischen Momenten bis zu großen Klängen reichte der von ihm gespannte Bogen, genoss man seine feine Anschlagart und die facettenreiche Spielweise. In engem Dialog mit dem Orchester schuf Joachim Harder eine Interpretation, bei der man dieses Werk in einer selten zu erlebenden Frische hörte.

Für den zweiten Konzertteil hatte sich die „MikroPhilharmonie EinKlang“ dann mit Ludwig van Beethovens „2. Sinfonie D-Dur op. 36“ einen Meilenstein symphonischer Kunst ausgesucht. Und auch bei diesem über 200 Jahre alten Werk funktionierte das Konzept bestens. Transparent und jederzeit klar erklang ein Werk. …Die starke Betonung der Begleitstimmen wurde in der Interpretation durch die „MikroPhilharmonie EinKlang“ eindrucksvoll umgesetzt, bei größerer Besetzung gehen sie oftmals im übergroßen Orchesterklang unter.

…Da muss man dem Dirigenten und dem Ensemble einen großen Dank aussprechen, sie sind mit ihrem Konzept zwar ein Wagnis im üblichen Konzertbetrieb eingegangen, haben den Musikliebhabern aber ein überaus seltenes Hörerlebnis geschenkt.

Einklang-Philharmonie im Jovel

Wie von der Erdenschwere befreit

Günter Moseler WN Münster 09.10.2018

…Es begann mit „Der Vorstellung des Chaos“, dem instrumentalen Beginn des Oratoriums „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn. Hier ist die Welt nur sinnlose Leere und die von Chromatik infiltrierte Musik doch so erfüllt wie ein erlösendes Versprechen. Es war, als ließen sich Orchester und Dirigent alle Zeit der Welt, als wären Trommelwirbel und Fortissimo-Repetitionen nur sich selber unbegreiflicher Schrecken vor der unbezwingbaren Glorie der Schöpfung. ….

Dann  Beethovens „Neunte“: Das Pianissimo-Mysterium der leeren Quinte, der sich lichtende Nebel um die Grundtonart, die düsteren Akkordschläge – an allen Pulten pulsierte das Weltdrama in d-Moll. Harder betonte im sehr zügig interpretierten Kopfsatz das „. . . un poco maestoso“ und schwor allem Heroischen ab, das Scherzo zog mit schroffer Rasanz vorüber, im „Adagio molto e cantabile“ bestachen große Linie und expressiv phrasiertes Melos. Mitreißend triumphal erklang der Finalsatz, boten Dirigent, Chöre, Orchester sowie Sophie-Magdalena Reuter (Sopran), Tina Drole (Alt), Michael Mogl (Tenor) und Zachariah N. Kariithi (Bass) eine schier von Erdenschwere befreite Interpretation. Die durch Erkenntnis geläuterte, berauschte Welt zog vorüber mit der Piccoloflöte im Alarmmodus und der Menschheit im Spielmannszug ins Paradies. Ovationen!

Publikum in der Werkhalle war hingerissen

Einklang-Philharmonie verwandelte ExKern in einen Konzertsaal

Christoph Schulte im Walde WN Münster 26.6.2018

Wenn in der Werkhalle der Firma „ExKern“ in Nähe des Albersloher Weges tagsüber Töne erklingen, dürften die in der Regel eher scheppern und dröhnen. Denn hier sausen Gabelstapler durch die Gegend, Gerüste, Gitter und alles Mögliche an Maschinen wird hier bewegt. Für die schon seit geraumer Zeit durch Münster nomadisierende Einklang-Philharmonie haben die Entkerner nun in ihrer Halle Platz gemacht. Und man staunte! Denn um es mit Mozart/Schikaneder auf den Punkt zu bringen: „Es klinget so herrlich!“
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Einklang-Orchester im Ballenlager

Musik-Genie und Poker-Zocker

Hans Lüttmann WN Greven 19.6.2018

Dass so ein schräger Fürst so schöne Musik komponieren kann! Wunderkind war er und Geigenvirtuose, „der wiederauferstandene Paganini“, jubelten seine Zuhörer, Könige behängten ihn mit Orden, die Massen jubelten ihm zu von Norwegen bis Russland, von der Türkei bis in die USA, ja, angeblich hat er sogar die Polonaise erfunden – und er? Verzockte sein ganzes Geld in Spielhöllen und Casinos, hat sogar seine Guarini-Geige beim Pokern auf den Tisch gelegt, fiel dann von ganz oben nach ganz unten und starb mit 45 Jahren.
Hier geht´s zur Rezension der Westfälischen Nachrichten.

„Kaiserkonzert“ lässt sich sanft streicheln

Arndt Zinkant WN Münster vom 20.2.2018

Beethovens fünftes Klavierkonzert wird im englischen Sprachraum auch „Emperor Concerto“ genannt – „Kaiserkonzert“. Was verständlich ist bei diesem strahlenden, rauschhaften Stück, wo die Titanenpranke mächtig auftrumpfen darf. Und wenn sie es mal nicht täte? 

Beethovens fünftes Klavierkonzert wird im englischen Sprachraum auch „Emperor Concerto“ genannt – „Kaiserkonzert“. Was verständlich ist bei diesem strahlenden, rauschhaften Stück, wo die Titanenpranke mächtig auftrumpfen darf. Und wenn sie es mal nicht täte? Wenn man das Werk als lyrisch-intime Bekenntnismusik spielen würde? Genau das führte der junge Pianist Thomas Wypior mit der Einklang-Philharmonie unter Joachim Harder grandios vor. Jene, die das Konzert schon unzählige Male gehört hatten, konnten es hier förmlich neuentdecken. Gleich zu Beginn…

…horchte wohl manch erfahrener Beethoven-Fan auf: Wie sanft lassen sich diese Läufe streicheln! Wie träumerisch klingen diese Anschlags-Nuancen. Solist und Orchester hörten wunderbar aufeinander, so dass die Musik teils kammermusikalische Züge annahm. ….
Auch das zweite Werk bürstete ein Klischee gegen den Strich: Die Grandezza, die seit Beethoven jede neunte Symphonie umweht. Dimitri Schostakowitsch schrieb 1945 eine Neunte, die keine sein will – eine „Anti-Neunte“ (Leonard Bernstein). Sehr witzig kommt diese Musik vordergründig daher, inklusive ein mehrfacher ironischer „Karnevals-Tusch“. Aber wie immer ist bei Schostakowitsch der doppelte Boden mit einkomponiert. Die Musiker meisterten das Virtuose exzellent, besonders Fagott und Flöten seien gelobt. Am Anfang gab es noch die sehr kurze Mozart-Symphonie Nr. 32, deren Ende das Publikum nicht so früh erwartete und daher ruhig verharrte. Also sprach der Dirigent: „Vielen Dank, das war sehr schön.“ Recht hatte er!

Johanna Pichlmair und die Einklang-Philharmonie im Jovel

Noblesse des Tons 

Arndt Zinkant WN Münster 19.9.2017

– Jovle Klassik im Jovel – das klingt nach Kalauer, war aber am Sonntag wunderbar selbstverständliche Realität. Die „Music Hall“ ist akustisch tadellos und bietet einem Orchester wie der Einklang-Philharmonie eine ebenso schöne Klangbühne wie Interpreten anderer Genres auch. Zumal die kleine Besetzung des Orchesters für den Saal maßgeschneidert ist. Schön, dass am Sonntag die Sitzreihen so gut besetzt waren, wie es dem Klasse-Konzert gebührte.
Ein Gutteil dieser Klasse ging auf das Konto der Solistin, welche Dirigent Joachim Harder verpflichtet hatte: Johanna Pichlmair lieferte eine Interpretation von Dvoráks Violinkonzert ab, die schöner kaum hätte sein können. Was als erstes auffiel, war die Noblesse ihres Tons. Immer sensibel und doch höchst lebendig glitt der Bogen über die Saiten. …. Am schönsten bewährte sich…

…die Geigerin im Adagio, im innigen Zwiegesang mit Streichern und Holzbläsern derEinklang-Philharmonie, die unter Joachim Harders bewährter Stabführung so toll aufspielte wie gewohnt. Nur im Finale, wo der folkloristische Frohsinn zu tanzen beginnt, hätte man sich etwas mehr orchestralen „Punch“ gewünscht. Wer in klassisch-kleiner „Haydn-Stärke“ auftritt, muss eben doch einige romantische Kalorien schuldig bleiben.

Bei Mendelssohns erster Symphonie fehlte einem gar nichts. Denn bei allem romantischen Überschwang hatte der junge Felix hier noch Mozart und Haydn komponierend im Hinterkopf. Und was ein echtes Wunderkind ist, schafft eben mit 15 Jahren schon ein Stück, das sich für immer auf den Podien hält. Ähnliches gilt für Schubert; doch seine sonnige, in Rossini-Gefilde strebende „Ouvertüre im italienischen Stil“ klingt so gar nicht nach ihm. Für die Einklang-Philharmonie ist ein Stück wie dieses wiederum maßgeschneidert.

Hommage an die Komponistinnen Farrenc und Schumann

 Vergessene Stücke aus weiblicher Feder

Arndt Zinkant WN Greven vom 25.4.2017

Werke von zwei Komponistinnen – Louise Farrenc und Clara Schumann; nach der Pause dann die berühmten Stücke von Ehemann Robert Schumann und beider Freund Johannes Brahms. Die „Einklang-Philharmonie für Alle“ und ihr Dirigent Joachim Harder spielten ein stimmiges Programm. Vergessene Stücke aus weiblicher Feder waren zu entdecken, und auch sonst bot der Konzertabend im Ballenlager so manches Aha-Erlebnis.

Die Ouvertüre Nr.1 von Louise Farrenc (1804-1875) war eine schwungvolle Eröffnung. Die Gattung der romantischen Ouvertüre wurde von der Komponistin graziös, wenn auch leicht formelhaft ausbuchstabiert. Weit erstaunter sperrte der Klassikfreund die Ohren bei Clara Schumanns Klavierkonzert auf….

….Da waren Charme und Phantasie – und oft pianistische Brillanz, die von Ah-Ruem Ahn mühelos umgesetzt wurde. Für die junge Pianistin, die bereits in der Carnegie Hall auftrat, war das wie gemacht; sie fühlte sich wohl in diesem Klavierpart, …Mittendrin war das Klavier minutenlang allein, das Orchester schwieg – bis sich plötzlich ein Zwiegesang mit dem Solo-Cello entspann. Schön!
Dass Claras Klavierkonzert die Talentprobe einer 15-Jährigen ist, fällt natürlich besonders auf, wenn man Robert Schumanns Konzert gleich im Anschluss hört. … Und die nicht allzu groß besetzte Einklang-Philharmonie zauberte in der guten Akustik des Ballenlagers manche Kostbarkeit hervor, die sonst leicht untergeht.
Joachim Harder animierte seine Truppe zu süffigem Spiel, alle Instrumentengruppen lieferten tadellose Leistung ab. Auch hier war mit Mikhail Sporov ein junger Pianist am Flügel, der bereits renommierte Wettbewerbe gewann. Er begeisterte mit ausgefeiltem, poetischem Schumann-Spiel, dem man gern den einen oder anderen Fehler verzieh. Mit dem Schluss-Stück, Brahms’ wunderbar fein gefertigten (und von Harder ebenso dirigierten) „Haydn-Variationen“ zeigten die Musiker nochmals ihr hohes Können.

Immenser Applaus für Einklang-Konzert im Beresa-Autohaus

Romantischer Abend mit beeindruckenden Solisten

Michael Schardt WN Münster vom 23.1.2017

„Nein, ist der Bursche gut!“, gab ein Zuhörer spontan seiner Begeisterung Ausdruck, als die letzten Töne von Robert Schumanns Klavierkonzert verklungen waren.

Gemeint war der preisgekrönte russische Solopianist Ilya Rashkovskij, der etwas schüchtern die Bühne betreten und zuvor noch von Dirigent Joachim Harder abseits vom Publikum ein aufmunterndes Schulterklopfen erfahren hatte. Am Flügel entlud sich dann die Anspannung des jungenhaft wirkenden 32-Jährigen. Energisches, fast eruptiv hervorbrechendes Temperament zeigte er in den bewegten Passagen des Werks federleichten klaren Anschlag und tiefe Emotionalität in den ruhigen Momenten. In den Dialogen mit dem von Harder präzise geführten Einklang-Orchester schien er mit dem Ensemble zu verschmelzen.
Schumanns Komposition, die von seiner Frau Clara 1845 uraufgeführt worden war, hatte den zweiten Teil des Konzertabends eingeleitet…

… und blieb in der Deutung Rashkovskijs nicht der einzige Höhepunkt.Begonnen hatte das erste von vier Jahreskonzerten in der Reihe „Sinfonische Wellen im Hafenviertel“ mit einem Clara Schumann gewidmeten ersten Teil. Den Auftakt bildete die wenig bekannte Ouvertüre Nr. 1 (e-Moll op. 23) ihrer französischen Zeitgenossin Louise Farrenc, bevor Claras (im jugendlichen Alter von 15 Jahren komponiertes) Klavierkonzert a-Moll op. 7 mit der in Südkorea geborenen Solistin Ah Ruem Ahn gegeben wurde. Die ebenfalls mehrfach ausgezeichnete Interpretin beeindruckte mit der fantasievollen und episodenartigen Ausgestaltung des leicht heterogen und improvisatorisch anmutenden Stücks.
Nach einem Piano-Intermezzo für vier Hände, das die beiden Solisten als vorweggenommene Zugabe eingestreut hatte, endete der romantische Clara-Abend mit Johannes Brahms und dessen ebenso farbenfrohen wie kurzweiligen Variationen über den Chorale St. Antoni , der fälschlicherweise lange Zeit Joseph Haydn zugeschrieben wurde.
Wie alle Konzerte der „Einklang“-Reihe fand auch dieses an einem ungewöhnlichen Ort statt. Gastgeber war das Autohaus Beresa am Albersloher Weg. Das Konzert war äußerst gut besucht und die Begeisterung des Publikums – nicht zuletzt der Klangqualität wegen – immens.

Jovel empfiehlt sich für Klassik

Stefan Herkenrath WN Münster vom 27.9.2016

Es ist noch gar nicht so lange her, da wäre ein klassisches Konzert in der Jovel Music Hall undenkbar gewesen. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Es ist noch gar nicht so lange her, da wäre ein klassisches Konzert in der Jovel Music Hall undenkbar gewesen. Doch diese Zeiten, in denen man sich an diametral entgegengesetzten Orten der münsterschen Kulturlandschaft verortete, sind glücklicherweise vorbei. Zum Abschluss ihrer Konzertreihe „Sinfonische Wellen im Hafenviertel von Münster“ gastierte am Sonntagabend die Einklang-Philharmonie in Münsters legendärem „Beatschuppen“.Mit einem Programm, das von Arthur Honeggers spätromantischer „Pastorale d’été“ über das mit Jazz- und Bluesfeeling gesättigte Trompetenkonzert des Schweizer Komponisten Daniel Schnyder bis hin zu Felix Mendelssohn Bartholdys „Schottischer Sinfonie“ reichte, wusste das Orchester das nahezu voll besetzte Auditorium in der Music Hall restlos zu faszinieren.

… und blieb in der Deutung Rashkovskijs nicht der einzige Höhepunkt.Begonnen hatte das erste von vier Jahreskonzerten in der Reihe „Sinfonische Wellen im Hafenviertel“ mit einem Clara Schumann gewidmeten ersten Teil. Den Auftakt bildete die wenig bekannte Ouvertüre Nr. 1 (e-Moll op. 23) ihrer französischen Zeitgenossin Louise Farrenc, bevor Claras (im jugendlichen Alter von 15 Jahren komponiertes) Klavierkonzert a-Moll op. 7 mit der in Südkorea geborenen Solistin Ah Ruem Ahn gegeben wurde. Die ebenfalls mehrfach ausgezeichnete Interpretin beeindruckte mit der fantasievollen und episodenartigen Ausgestaltung des leicht heterogen und improvisatorisch anmutenden Stücks.
Nach einem Piano-Intermezzo für vier Hände, das die beiden Solisten als vorweggenommene Zugabe eingestreut hatte, endete der romantische Clara-Abend mit Johannes Brahms und dessen ebenso farbenfrohen wie kurzweiligen Variationen über den Chorale St. Antoni , der fälschlicherweise lange Zeit Joseph Haydn zugeschrieben wurde.
Wie alle Konzerte der „Einklang“-Reihe fand auch dieses an einem ungewöhnlichen Ort statt. Gastgeber war das Autohaus Beresa am Albersloher Weg. Das Konzert war äußerst gut besucht und die Begeisterung des Publikums – nicht zuletzt der Klangqualität wegen – immens.

Einklang-Philharmonie

Begeisterungsstürme vor Schottland

Ulrich Reske WN Greven vom 21.9.2016

Die Einklang-Philharmonie wäre nicht dieses innovative Ensemble, das seit über fünf Jahren einer internationalen Musikergemeinde in Westfalen sinfonische Heimat ist, wenn nicht musikalische Kontrapunkte das Konzertprogramm bilden. Beim Konzert im Ballenlager zwischen Romantik und jazzbeeinflusster Moderne.

Da sitzt der schwarz gewandete, weißhaarige Dirigent auf rotem Stuhl und applaudiert seinen Musikern, die er zuvor als musikalischer Kapitän auf eine Reise zur sturmumtosten Inselgruppe der Hebriden und der dunklen Felsküste Schottlands geführt hatte. Eine Geste der Anerkennung. Die schottische Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy hatte zuvor bei den knapp 100 Zuhörern im Ballenlager einen wahren Begeisterungssturm ausgelöst. „Schreiben Sie bitte eine gute Kritik,“ mahnt die kleine weißhaarige Dame den Autor dieser Zeilen. Sie rennt offene Türen ein.

Die Augen schließen und vor den Hebriden segeln, während langsam ein Sturm aufzieht. Der erste Satz steigert sich mit düsteren Streicherklängen, einem dunklen, stetig wachsenden Bläserton zu einem musikalischen Wirbelwind, ehe im zweiten Satz folkloristische Elemente den Zuhörer wieder festen Boden unter den Füßen spüren lassen. Dirigent Joachim Harder führt engagiert, aber unprätentiös durch das Werk des schon mit Ende 30 verstorbenen Multitalents Mendelssohn-Bartholdy, der nicht nur als Komponist, sondern auch als Dirigent neue Maßstäbe in der Romantik setzte.

Die Einklang-Philharmonie wäre nicht dieses innovative Ensemble, das seit über fünf Jahren einer internationalen Musikergemeinde in Westfalen sinfonische Heimat ist, wenn nicht musikalische Kontrapunkte das Konzertprogramm bilden. So steht im dritten Einklang-Konzert des Jahres die Trompete des Solisten Peter Mönkediek im Mittelpunkt, der an diesem besonderen Abend gemeinsam mit einem Bläser dominierten Orchester das Publikum auf eine Fusion-Reise zwischen den musikalischen Welten des Jazz und der klassischen Moderne mitnimmt. „Eine wirkliche Herausforderung“, wie Solist Mönkediek und Maestro Harder in der Konzerteinführung betonen. EineHerausforderung, die gelingt und von einem experimentierbereiten Publikum mit Höchstnoten honoriert wird. Dass es zu diesem Aufeinandertreffen kommen konnte, stand zunächst auf der Kippe. „Bei Haydn hätte ich sofort ja gesagt,“ kommentiert Mönkediek die Hardersche Anfrage zur Kooperation. Bei Daniel Schnyder, dem Schweizer, der in den Staaten lebt, bat er um zwei Tage Bedenkzeit.

Eine wilde Partitur führt Trompete und später auch das Flügelhorn zu wahrer Instrumentalakrobatik, webt das Orchester im Big-Band-Sound ein und lässt Gefühle auch in wunderbarer Blues-Manier entwickeln.

Punkt, Komma, Strich – das sind die Zeichen, die in der Partitur den Unterschied ausmachen. Vorsichtige Hinweise des Komponisten, der selbst als Saxofonist, Cellist und Flötist einen Namen hat, an die Musiker, Töne zu verzerren, vibrieren zu lassen, die verschieden geformten Dämpfer virtuos einzusetzen. Große Klasse, wie Orchester und Solist diese oft vertrackten Notenfolgen befolgen. Keine Spur davon, dass moderne Klassik oft akademisch daher kommt. Im Gegenteil, die Einklang-Philharmonie kommt ihrem Anspruch, „Philharmonie für alle“ zu sein, in bemerkenswerter Weise nach.

Ach, da war ja noch was: Sieben Minuten für eine leise dahin fließende Pastorale des Komponisten Arthur Honegger, die die Musiker und die Zuhörer quasi als Etüde auf diesen besonderen musikalischen Weltenspaziergang einstimmen.

Fazit: Einklang möge wiederkommen.

Einklang-Philharmonie spielte „Winterreise“ in der Kunsthalle

Von Winterreise hingerissen

Arndt Zinkant WN Münster vom 23.3.2016

Die Einklang-Philharmonie präsentiert die „komponierte Interpretation“ von Schuberts Winterreise von Hans Zender in der Kunsthalle und wurde gefeiert.

Lässt es Franz Schuberts Liederzyklus „Die Winterreise“ tatsächlich „immer kälter um die Seele“ werden, wie das Programmheft behauptet? Das stimmt wohl, wenn man sich seelisch in Schuberts Original mit Klavierbegleitung versenkt. Die „komponierte Interpretation“, die Hans Zender 1993 erstellt hat, ist klanglich aber keineswegs ein pfeilgerader Pfad in eisige Weiten hinein. Hier wird ein volkstümliches, teils gar knallbuntes Instrumentarium aufgeboten, um jedes einzelne Lied atmosphärisch wie musikalisch auszudeuten.

Das ist maßgeschneidert für Joachim Harder und seine „Einklang-Philharmonie“,…

… die in der Besetzung genau passt und mit musikalischer Experimentierlust hier wahrlich Funken schlägt. Wenn dann noch ein Sänger dazukommt, der in Technik und Temperament die Abgründe des Werkes auszuloten versteht – voilà! Der junge Tenor Michael Mogl sorgte am Sonntagabend für ein packendes, dichtes Musikerlebnis. Und der voll besetzte Saal war hingerissen.

Die Reihe „Sinfonische Wellen am Hafenviertel“ verschlug es bei diesem ersten Klassik-Konzert in die Kunsthalle. Die Landschaftsprojektionen auf der Leinwand machten sich gut und gaben dem kahlen weißen Raum etwas Wärme. Entscheidend aber war die Akustik, die sich ebenfalls als maßgeschneidert für dieses Werk erwies.

Da konnten die Blechbläser wie kecke Hähne krähen (im Lied „Frühlingstraum“) oder sich als Bläserchoral in spätromantischen Klängen wiegen („Das Wirtshaus“). „Der stürmische Morgen“ rauscht mit schrillen Schlagzeugwirbeln vorbei, und „Die Wetterfahne“ dreht sich mit pfeifenden Piccoloflöten im Wind. Sogar eine Windmaschine wie in Strauss’ „Alpensinfonie“ wird hier aufgeboten – Hans Zender hat in seiner Version keine Scheu vor Lautmalereien; und sie finden sich bei Schubert ja ebenfalls, wenn auch subtiler.

Mehr als einmal muss man auch an Gustav Mahler denken. Hatte der nicht ebenso bizarre Stacheln in seine Musik geflochten und die „unseriöse“ Orchestrierung bis hin zu Kuhglocken getrieben? Die schubertsche Volkstümlichkeit unterstreicht Zender mittels Akkordeon und Gitarre. À la Mahler wirken auch die Raumeffekte wie Ferntrompeten. Und wenn der Tenor singt „Fremd bin ich eingezogen“, marschieren tatsächlich einige Musiker vom Gang aufs Podium.

Nicht dass der famose Michael Mogl ein Mikrofon gebraucht hätte, aber Zenders Partitur gibt ihm hin und wieder eines zur Hand. Die Stimme hallt dann verfremdet von den Wänden wider. Ein geisterhafter Sound, der Eindruck macht. Und einmal spricht sie einfach nur – ausdruckslos, fast wie in Trance: „Ihr lacht wohl über den Träumer, der Blumen im Winter sah?“

Bewegende Mahler-Interpretation

Orchestrale Urkräfte unter Discokugeln
Arndt Zinkant WN Münster vom 28.9.2015 / Foto Arndt Zinkant

Münster – Die Presse war nicht erwünscht. Applaus ebenfalls nicht. Arnold Schönbergs „Verein für musikalische Privataufführungen“ stellte ab 1918 neue Werke gleichsam „auf neu­tralem Boden“ vor, wie Dirigent Joachim Harder vor seiner Mahler-Aufführung erklärte. Unbelastet von den damals häufigen Publikumspfiffen sollten sich Interessierte auf die moderne Musik einlassen. Für die kleine Besetzung, die in privatem Rahmen ausreichen musste, gab es also gute Gründe. Aber welche motivierten Harder, die überwältigende Neunte von Gustav Mahler in der reduzierten Version für 24 Musiker zu spielen, die Klaus Simon 2012 erstellt hat?

Die Konzentration auf den „wesentlichen Inhalt“ ermögliche ein neues Erleben, sagte Harder. Einspruch, Maestro! Mahlers üppige, schier maßlose Orchestrierung ist der Musik nicht nur übergestülpt – sie ist Teil ihres Wesens. Was also konnten Harder und seine „Einklang – Philharmonie für Alle“ im Heaven bieten, das den Klangrausch einer guten Hundertschaft von Musikern aufwöge?
Verblüffenderweise gar nicht so wenig. Erstens machten die Musiker so leidenschaftlich Druck, dass unter den silbrig schimmernden Discokugeln (von Harder stracks zu „Planeten“ ernannt) immer wieder orchestrale Urkräfte aufblitzten. Zweitens hörte man im durchsichtigen Sound von nur zwei Hörnern, einer Trompete, wenig Holz und zwölf Streichern tatsächlich Strukturen, die im brodelnden Orchesterkessel sonst verdampfen.
Drittens meldete sich „Borchert“-Schauspieler Jürgen Lorenzen schön theatralisch zwischen den Sätzen zu Wort, rezitierte Mahler-Briefe oder Gedanken von Alban Berg. Da jeder Satz der Neunten ein Kosmos für sich ist, waren diese „Brüche“ ein Gewinn.
Nachdem anfangs die „Mahler/Skizze für Ensemble“ von Detlev Glanert erklungen war, wirkte der Kopfsatz der Neunten noch blass. Der Pulsschlag des eigenen kranken Herzens, den Mahler zur Katastrophen-Ballung aufpeitscht, konnte hier nur zahm wirken. Aber dann: Der Ländler, der zu einem parodistischen Todeswalzer mutiert, konnte begeistern, nicht zuletzt, weil Harder die Zügel rhythmisch schön straff hielt. Auch die abgründige Rondo-Burleske verströmte echtes Mahler-Feeling.
Und das Adagio, des Komponisten ergreifender Abschiedsgesang? Das ertrank nicht wie sonst im Streichermeer. Aber ein intimer Abschied kann auch berührend klingen.

EinKlang-Philharmonie: Konzert auf Top-Niveau

Düstere Tragik und Walzerseligkeit

Tünde Kalotaszegi-Linnemann, Greven (WN Greven, 19.06.2015)

Greven. In jeglicher Hinsicht wurde dem restlos begeisterten Publikum der Ein-Klang-Philharmonie ein Konzert auf Top-Niveau geboten. Das Gegeneinander-Setzen unterschiedlicher Stücke hatte seine ganz eigene Wirkung.

Apokalypse contra mozartsche Leichtigkeit und Walzerseligkeit à la Strauss – wie passt das zusammen? Auf den ersten Blick gar nicht. Wie daraus trotzdem ein spannender Konzertabend werden kann, zeigte die Ein-Klang-Philharmonie unter der Leitung von Joachim Harder in ihrem dritten Konzert im Grevener Ballenlager.

Gerade solche Kontraste zeichnen die Programme dieses jungen, innovativen Orchesters aus und eröffnen dem Zuhörer neue Perspektiven.
Wenn der Name Kurt Weill fällt, denkt fast jeder sofort an die legendäre „Dreigroschenoper“. Stilistisch meist fernab davon befindet sich seine 1933 entstandene zweite Sinfonie. „In ihr äußert sich die Erneuerung, die das Exil für meine Musik bedeutet hat“, sagte er selbst. Meisterhaft setzte Harder mit seinen Musikern düster-tragische Akzente, in der ohnehin trauerverhangenen Klangwelt. Ironisch-heiter, wie durch einen Spiegel verzerrt, suggerierte die Tarantella des dritten Satzes freudvolle Heiterkeit. Perfekt intonierte, sanft rankende Tongirlanden entlockte Yoshias Weber seinem Instrument in Mozarts berühmten Klarinettenkonzert in A-Dur. Seit Sydney Pollacks Literaturverfilmung „Out of Africa“ hat es zweifelsohne an Popularität gewonnen. Mit weichem Ton, Nonchalance und Brillanz zugleich, ohne jegliches Chi-Chi interpretierte der 25-jährige Musikstudent dieses anspruchsvolle Werk.
Yoshias Weber, der Klarinettenklasse von Klaus Flaswinkel in der Westfälischen Schule für Musik in Münster entsprungen, studiert mittlerweile in Detmold und sieht mit seinem enormen Können, gepaart mit feinsinniger Musikalität, einer vielversprechenden Zukunft entgegen.
Erich Wolfgang Korngold, quasi ein Kind des Fin de Siècle, ging mit Kompositionen wie „Der Schneemann“ oder „Die tote Stadt“ in die Musikgeschichte ein. Allerdings hatte er auch eine große Affinität zu Johann Strauss. So ist seine „Straussiana“ als Hommage an den großen Operettenkönig zu sehen. Einen wahren Ohren-schmaus präsentierten Harder und sein Ensemble mit Pizzicato-Polka inklusive Glockenspiel, Mazurka und launigem Walzer.
In jeglicher Hinsicht wurde dem restlos begeisterten Publikum ein Konzert auf Top-Niveau geboten. Das Gegeneinander-Setzen der Stücke hatte darüber hinaus seine ganz eigene Wirkung. „Wir spielen den Walzer noch mal, und Sie tanzen dann raus“, so schickte Joachim Harder die gut gelaunten Zuhörer in den Sommerabend. Manches Paar beherzigte seinen Rat.

„Ein-Klang“ im Ballenlager

Im Kopf des Musik-Titans

Hans Lüttmann (WN Greven, 30.04.2015)

Greven. Beethoven völlig anders: In die Töne der 6. Sinfonie mischen sich plötzlich Töne aus der 5. Sinfonie, garniert mit ein paar gänzlich unklassischen Harmonien, etwas Mozart und ein paar Takten Neuer Musik – ein Experiment, das die Zuhörer durch lang anhaltenden Beifall belohnten.

Na, wenn der Beethoven das gehört hätte: Wie sich in Grevens Ballenlager in seine sinfonische Landpartie fremde Töne schlichen! Dabei hatte sich bis dahin doch alles schon so schön entfaltet: Dirigent Joachim Harder und seine Einklang-Sinfoniker malten mit schwelgerischem Streicherklang ein friedliches Idyll.

Am Bach setzen die Bläser den kräuselnden Wellen der Violinen kleine Schaumkronen auf. Im nahen Wald schlägt die Wachtel (Oboe), der Kuckuck (Klarinette) ruft, und die Nachtigall (Flöte) singt ihr verspieltes Lied. Aber bald schon wird daslustige Dorfleben durch grollenden Donner der Bässe gestört, und die Trippelschritte der Violinen kündigen das nahende Gewitter an.
Doch plötzlich quietscht und klappert und mäandert es, die Musiker pfeifen auf Beethovens Landidylle und tauchen ein in einen Traum, den der Komponist Frank Zabel in eine eigenwillige Partitur gegossen hat. „Beethoven-Interferenzen“ heißt Zabels Auftragskomposition, mit der er, das war Joachim Harders Wunsch, nachempfinden solle, was in Beethovens Kopf vor sich gegangen sein mag, als er gleichzeitig die beiden so unterschiedlichen Sinfonien 5 und 6 komponierte. Zabel zitiert aus den beiden Werken des großen Meisters, garniert ein paar gänzlich unklassische Harmonien dazu, springt kurz zu Mozart und rührt noch einige würzende Zutaten Neuer Musik darunter.
Nach diesem originellen Einschub geht es weiter mit Beethoven pur, zurück zu den Schwefelschlieren des Gewitters und dem zittrigen Dank, noch mal davongekommen zu sein. Am Ende der 6. Sinfonie steht kein strahlender Held, sondern ein frommer, bescheidener Mensch.
Nach der Pause dann die 5., dieses wuchtige Gebirge, der musikalische Mount Everest, von dem Beethoven, so sieht es Joachim Harder, „durch die Komposition der 6. Sinfonie erst mal wieder runterkommen musste“ – die Pastorale als Selbsttherapie gegen einen Geniestreich für die Ewigkeit: ta-ta-ta-taaa, drei Achtel, eine Halbe, recht kümmerliches musikalisches Material, aus dem Beethoven aber ein Werk schmiedete, das zum Mythos werden sollte. Ta-ta-ta-taaa – der erste Riff der Musikgeschichte, eine musikalische Keimzelle, an der sich 200 Jahre später die Rockmusik bediente und Welthits wie „Smoke on the Water“ von Deep Purple oder „Whole Lotta Love“ von Led Zeppelin wachsen ließ.
Ach, und natürlich hätte man sich bei der 5. im Ballenlager ein noch größeres Orchester gewünscht, aber die gut 40 Musiker, darunter viele junge, gaben dem musikalischen Monument Kontur, Gesicht und jene Dynamik, die es braucht, um die Zuhörer mitzureißen. Die besetzten übrigens – trotz des Mittwochstermins und der Pokalbegegnung Bielefeld gegen Wolfsburg – fast alle Stühle im Saal und verließen sie am Ende des Konzert für einen lang anhaltenden Applaus – der selbstredend auch Frank Zabel galt und seinem träumerischen Ausflug in den Kopf des Musiktitans.

Auftakt der Aulakonzerte mit der Mozart Oper „Figaro“

Spiel um Liebe und Eifersucht

Elvira Meisel-Kemper, Greven (MZ Greven, 30.09.2014)

Greven. Noch nie war der Auftakt zur neuen Saison der Aulakonzerte für den Herbst und den Winter 2014/15 so glanzvoll und so spannend. Die Aufführung der Oper „Le nozze di Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart im Ballenlager war ein fesselndes Ereignis für die Besucher im ausverkauften Saal.

Macht man einige Abstriche, weil der Orchestergraben für das hervorragende Orchester „Einklang – Philharmonie für Alle“ fehlte, wandelte sich der Saal im Ballenlager für fast vier Stunden zum Opernhaus. Joachim Harder leitete das Orchester und auch die Nachwuchssänger und –sängerinnen des Christophorus-Jugendkammerchores Versmold. Die Akustik stimmte, die Musik war virtuos interpretiert, das Schauspiel und die Stimmen überzeugten, die Abstimmung zwischen Orchester und Sänger hätte nicht besser sein können.

Sogar das Publikum hat den Marathon mit der Oper durchgestanden und mit minutenlangem, ohrenbetäubenden Applaus sich zum Schluss, kurz vor Mitternacht, dafür bedankt. …
Das Verwirrspiel der Figaro-Oper birgt viele komische Momente, die durch die Schauspieler unter der Regie von Michael Temme noch komischer gerieten. … Das Ensemble gab in nur einer Woche in Rheine, Harsewinkel, Münster und jetzt in Greven sein Debüt in der Region. Die Arien wurden in italienischer Sprache gesungen, die Dialoge waren in deutscher Sprache nach Texten von Joachim Harder. Ganz ohne Bühnenbild lebte das Spiel um Liebe, Eifersucht, Begehren und Enttäuschung aus der Aktion heraus. Die prachtvollen Kostüme und die wenigen Möbel griffen auf die Entstehungszeit zurück. Die sprachlichen Beiträge von Beaumarchais (Nicolas Legoux) nahmen dagegen Bezug zur heutigen Gegenwart, die das Publikum manches Mal zum Schmunzeln brachte. … Volksnah präsentierte sich diese Oper, die aufgrund des hohen künstlerischen Niveaus den Vergleich mit aufwändigeren Produktionen nicht zu scheuen brauchte.

„EinKlang“ präsentiert Mozarts „Figaro“

Mit Wortwitz und Seitenhieben

Arndt Zinkant, Münster (Westfälische Nachrichten, 22.09.2014)

Münster – „Chapeau, Monsieur Mozart!“ Ein Lob aus berufenem Munde. Es kommt von Pierre Augustin de Beaumarchais, jenem Dichter, der „Die Hochzeit des Figaro“ geschrieben hat und damit seinerzeit den Adel verspottete. Dieser Beaumarchais (verkörpert von Nicolas Legoux) steht nun in Münster auf der Bühne und kommentiert als Conférencier in süffisanter Manier sein eigenes Werk. Beziehungsweise das, was Mozart und sein Librettist da Ponte daraus gemacht haben. Was an politischer Schärfe fehlt, wird mit musikalischer Tiefe mehr als wettgemacht.
Der Spaß bleibt ohnehin derselbe – jedenfalls, wenn eine Aufführung so überbordend witzig und lebendig daherkommt, wenn Könnerschaft und Begeisterung Hand in Hand gehen wie am Sonntag im Congress-Saal der Halle Münsterland. Dirigent Joachim Harder und sein Orchester „EinKlang – Philharmonie für Alle“ hatten sich bereits erfolgreich an „Cosi fan tutte“ erprobt. Auch dieser „Figaro“, wiederum mit Sängern der Wiener Musikuniversität, ist ein Volltreffer, den das Publikum mit stürmischen Ovationen feierte. Chapeau, Monsieur Harder!

Das Drunter und Drüber, das Mozart in dieser genialen Opera buffa zusammenhält, ist gewaltig. Um nun einen Figaro „für Alle“ zu zimmern, hat der Dirigent gekürzt und die Rezitative durch eigene deutsche Texte ersetzt. Nicht nur Kommentator Beaumarchais, sondern das ganze Personal spart hier nicht mit Wortwitz und Seitenhieben. Ansonsten aber belässt Regisseur Michael Temme die erotischen Maskeraden in ihrer Zeit, als es im Volke aufrührerisch brodelte.
Mancher Regie-Ehrgeizling hätte es wohl mit Brechstangen-Symbolik probiert – wenn aber Beaumarchais hier nur süffisant anmerkt, die Gräfin wisse genau, dass ihr Gatte eine Art Berlusconi oder Seehofer sei, ist das satirischer Piekser genug. In der Tat: Graf Almaviva (mit virilem Timbre: Rafael Fingerlos) will der Versuchung nicht widerstehen, sein „Recht auf die erste Nacht“ mit Kammerzofe Susanna (so zart und frech: Sara-Bigna Janett) einzufordern, obwohl er dies offiziell abgeschafft hat. Mit List und Laune spinnen Susanna und ihr Verlobter Figaro ein Verwirrspiel, um ihr Glück zu beschützen.
Das junge Ensemble passt zu diesem erotisch-verspielten Plot wunderbar. Christoph Filler singt seinen Figaro so markig selbstbewusst, dass der Standesunterschied zwischen Kammerdiener und Graf zerbröselt. Und die Frauenfiguren punkten mit jener lyrischen Innigkeit, die Mozart ihnen in die Kehlen diktierte. Sonderapplaus für Michiko Fujikawa als Gräfin. Kathryn Humphries hat die Lacher auf ihrer Seite, sie gibt Marcellina als Wuchtbrumme mit Leoparden-Kragen. Die große Bühne schafft Platz für Action und Ensembleszenen. Der ursprünglich vorgesehene Waldorf-Konzertsaal hätte Mozarts fragilem Zauber (und dem präzisen Orchester) akustisch zwar besser entsprochen. Für ein pralles, sinnliches Opernerlebnis aber war der Congress-Saal der Halle Münsterland eine gute Alternative.

Konzert mit der EinKlang-Philharmonie

So heiter wie Haydn
Frederik Wittenberg, Münster (Westfälische Nachrichten, 17.02.2014)

Münster – Was wäre, wenn? Unter dem griffigen Motto „Haydn reloaded“ ging die Einklang-Philharmonie unter ihrem Leiter Joachim Harder der Frage nach, wie Haydn vielleicht heutzutage komponiert hätte.

Bei Haydns rund 30-jähriger Anstellung beim Fürsten Esterházy denkt man auch an Ungarn, und so standen vor allem ungarische Komponisten auf dem Programm. Los ging es mit den sechs Bagatellen für Bläserquintett von György Ligeti in einer Fassung für zehn Bläser. Diese Miniaturen sind im besten Sinn wie Haydns Divertimenti unterhaltend, zumal wenn die rhythmisch teils extrem vertrackten und im Charakter sehr unterschiedlichen Stücke so präzise und schwungvoll zu Gehör gebracht werden wie hier.

In voller Besetzung erklang anschließend der Altmeister selbst mit seiner Sinfonie Nr. 101 in D-Dur. Harder bewies ein feines Gespür für Haydns einkomponierten Humor, setzte gelungene Akzente und gab das Werk zum Glück nicht dem reinen Schönklang preis. Da tickten die Achtel im zweiten Satz, die dem Werk den Beinamen „Die Uhr“ gaben, mit einem Augenzwinkern.

Nach der Pause konnte das Orchester mit Ernst von Dohnányis Harfen-Concertino eine echte Rarität präsentieren. Auf welch verschlungenen Wegen das Stück überhaupt nach Münster kommen konnte, davon erzählte Harder in einem Gespräch mit dem bestens aufgelegten Moderator Dr. Michael Custodis. Nach dem Hören scheint es unglaublich, dass es lange Zeit offenbar zwischen Gerümpel in einer Garage irgendwo in den USA lag! Die Solistin Mirjam Schröder, die nur 14 Tage Zeit zur Vorbereitung hatte, präsentierte ein rauschendes, in süffigem Klang badendes Werk, das den Rang eines Repertoirestücks verdient hätte. Mühelos verwandelte sie auch die virtuosen Passagen in ein Feuerwerk an Klangfarben. Die eingangs gestellte Frage direkt beantwortet hat Sergej Prokofiew mit seiner Sinfonie Nr. 1, der „Symphonie classique“. Die moderneren Zutaten des Russen zum klassisch anmutenden Tonfall arbeitete das Orchester sehr schön heraus. Der verdient große Applaus wurde mit einer Wiederholung des dritten Satzes honoriert.